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Jungfrau Klima

Der Klimaguide: Wissenschaft und Naturerlebnis vereint

10. Juni 2024
Ein Unternehmensteam betrachtet eine wissenschaftliche Informationstafel auf einem Bergpfad vor der Eigernordwand

Der Untere Grindelwaldgletscher hat sich in den letzten hundert Jahren um mehr als 1,5 Kilometer zurückgezogen. Eine Zahl. Abstrakt, kaum fassbar. Doch wenn man an jenem Aussichtspunkt steht, wo historische Fotografien des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) die einstige Gletscherzunge genau dort verorten, wo heute eine Schottermoräne liegt, wird aus Statistik plötzlich Wirklichkeit.

Genau das war die Idee hinter dem Klimaguide.

Ein Meilenstein der alpinen Klimavermittlung

Entstehung und wissenschaftliche Grundlage

Das Projekt Klimaguide wurde 2009 als interaktiver Lehrpfad ins Leben gerufen. In seinem ersten Jahrzehnt zählte der Weg über 50’000 Wanderinnen und Wanderer. Das ist kein Zufall. Denn von Beginn an war die wissenschaftliche Partnerschaft mit der Universität Bern das Fundament des gesamten Projekts.

Das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung (OCCR) übernahm die inhaltliche Qualitätssicherung. Das OCCR, eines der renommiertesten Klimaforschungszentren Europas, garantierte, dass jede Station auf peer-reviewed Daten basiert. Keine vereinfachte Panikmache. Keine leere Symbolpolitik. Harte Wissenschaft, verständlich aufbereitet.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) würdigte den Pfad als vorbildliches Instrument der Umweltbildung in der Schweiz.

Warum dieser Ort, warum Grindelwald?

Die Region um Grindelwald ist kein beliebiger Schauplatz. Sie ist ein Freiluftlabor.

  • Der Untere Grindelwaldgletscher, einer der am besten dokumentierten Gletscher der Alpen
  • Die Forschungsstation Jungfraujoch auf 3454 Metern, wo seit 1931 ununterbrochen Klimadaten erhoben werden
  • Die direkte Sichtachse auf Eiger, Mönch und Jungfrau, die es ermöglicht, Gletscherveränderungen mit blossem Auge nachzuvollziehen

Kein Diorama. Kein Modell. Die echte Natur als Exponat.

Die sieben Stationen: Ein Parcours durch den Wandel

Überblick der Route

Der Klimaguide führt von der Kleinen Scheidegg (2061 m) in Richtung Eigergletscher. Die Strecke ist moderat, rund 3,5 Kilometer lang und auch für wenig geübte Wanderer geeignet. Jede der sieben Stationen ist einem spezifischen Thema gewidmet.

StationStandortSchwerpunktthema
1Kleine ScheideggEinführung: Klimasystem Alpen
2MoränenfeldGletscherdynamik und historischer Vergleich
3Aussichtspunkt GletscherVisualisierung des Rückzugs seit 1900
4BachquerungWasserkreislauf und Schmelzwasser
5AlpwieseBiodiversität unter Klimadruck
6FelsbandPermafrost und Bergstürze
7Eigergletscher-StationSynthese: Zukunftsszenarien 2050 und 2100

Was die Daten sagen

Die Zahlen, die an den Stationen präsentiert werden, sind nicht dramatisiert. Sie sind schlicht messbar.

  • Anstieg der alpinen Durchschnittstemperatur um 2,1 Grad Celsius seit der vorindustriellen Zeit, rund doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt
  • Volumenverlust des Aletschgletschers von über 20 % seit Beginn der systematischen Messung
  • Rückzug des Unteren Grindelwaldgletschers um mehr als 1,5 Kilometer seit 1870
  • Prognostizierter Verlust von 80 % der Schweizer Gletschervolumina bis 2100 gemäss Szenarien von MeteoSchweiz und der ETH Zürich

Station 7 zieht die Konsequenzen. Welche Landschaft erwartet unsere Kinder? Welche unsere Enkelkinder? Die Antwort ist unbequem und dennoch unumgänglich.

Teambuilding und nachhaltige Unternehmensevents

Eine B2B-Dimension, die organisch entstand

Niemand hat den Klimaguide als Corporate-Event-Infrastruktur konzipiert. Und genau das macht seine B2B-Glaubwürdigkeit aus.

Unternehmen, die nach authentischen Erlebnissen für ihre Teams suchen, sind auf den Pfad aufmerksam geworden. Nicht wegen einer Marketingkampagne. Weil die Route funktioniert. Das Fachmagazin markt-kom hob den Klimaguide in seiner Analyse nachhaltiger Teamevents explizit als Referenzangebot für Corporate Retreats im deutschsprachigen Raum hervor.

Jedes Jahr absolvieren rund 150 Unternehmensgruppen die Strecke von der Kleinen Scheidegg zum Eigergletscher. Was sie mitnehmen:

  • Ein gemeinsames, emotional aufgeladenes Erlebnis ausserhalb des Büroalltags
  • Faktenwissen zum Klimawandel, das im Unternehmenskontext direkt anwendbar ist
  • Eine klare Botschaft an Mitarbeitende: Nachhaltigkeit ist keine Kommunikationsstrategie, sondern gelebte Realität

Für Eventmanager und HR-Verantwortliche, die ein solches Format suchen, bieten wir in unserer Übersicht für Outdoor-Anbieter in Grindelwald einen kuratierten Vergleich der lokalen Anbieter.

Was ein nachhaltiges Corporate Event heute auszeichnet

Der Klimaguide ist ein Paradebeispiel für das, was Nachhaltigkeitsberater als “experiential learning” bezeichnen. Kurz: Erleben statt zuhören.

Ein Seminar über CO2-Reduktion im Konferenzraum erzeugt selten Verhaltensänderung. Eine Wanderung an einem Gletscher, der sich vor den eigenen Augen verändert hat, schon. Die Abgabe von bis zu 15 % der Einnahmen aus geführten Touren an regionale Klimafonds unterstreicht, dass hier Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sind.

Digitale Transformation und Mehrsprachigkeit

Von der Infotafel zur App

Der Schritt vom physischen Lehrpfad zum digitalen Erlebnis war konsequent. Früh erkannte die Jungfrau Klima-CO2Operation, dass ein international genutztes Tourismusgebiet wie die Jungfrau Region keine einsprachige Infrastruktur toleriert.

Der Klimaguide wurde in vier Sprachen digitalisiert:

  • Deutsch als Hauptsprache für die regionale Bevölkerung und Schweizer Touristen
  • Französisch für die Romandie und Frankreich, mit eigenem URL-Pfad /fr/projets/guide-climatique
  • Englisch für internationale Besucher, der meistgenutzte Pfad gemäss Webanalyse
  • Italienisch für den Tessiner und italienischsprachigen Markt

Laut Statistiken von Jungfrau Region Tourismus nutzten in den Spitzenmonaten 60 % der Wanderer die begleitende multimediale App. Die App integrierte Echtzeit-Wetterdaten von MeteoSchweiz und überlagerte diese mit historischen Gletscherfotografien, direkt an den entsprechenden Standorten der Route.

Auszeichnung durch das OCCR

Die Universität Bern und das OCCR veröffentlichten 2014 einen Bericht, in dem der Klimaguide als beispielhafte Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Öffentlichkeit gewürdigt wurde. Der damalige Präsident des OCCR bezeichnete das Projekt als “Multimedia-Wegweiser zum Klimawandel”. Eine Auszeichnung, die bis heute die redaktionelle Glaubwürdigkeit von Jungfrau Klima fundiert.

Das Erbe: Ein Wegbereiter für sanften Tourismus

Der Klimaguide ist kein abgeschlossenes Kapitel. Er ist ein Fundament.

Die Kernphilosophie, abstrakte Klimadaten durch direkte Naturerfahrung greifbar zu machen, trägt heute jede Zeile, die wir auf dieser Plattform publizieren. Ob wir über autofreie Mobilität in Lauterbrunnen schreiben, über Swisstainable-zertifizierte Unterkünfte im Berner Oberland oder über die Zukunft der Gletscherlandschaft: Die Massstäbe des Klimaguides gelten.

Wissenschaftliche Präzision. Verständliche Sprache. Lokale Verankerung.

Das ist kein Anspruch. Das ist unsere Geschichte.