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Eiger Climate Excursions: Wenn Wissenschaft auf Wandern trifft

Wissenschaftler und Wanderer untersuchen das felsige Gelände und wissenschaftliche Messinstrumente am Fusse der legendären Eigernordwand

Die Eigernordwand ist 1800 Meter hoch. Senkrecht. Eine der berühmtesten Felswände der Welt, berüchtigt für ihre tödlichen Erstbegehungsversuche in den 1930er Jahren, geliebt von Kletterlegenden, fotografiert von Millionen von Touristen.

Was die meisten Besucher nicht sehen: Was mit dem Eis und dem Fels dieser Wand passiert. Was sich im Innern verändert, tief unter der Oberfläche, unsichtbar und dennoch messbar. Was die Instrumente der ETH Zürich in Echtzeit aufzeichnen.

Genau das zeigen die Eiger Climate Excursions.

Ein vertikales Naturlabor

Die Nordwand als Forschungsstandort

Die Eigernordwand ist nicht nur ein ikonisches Klettergebiet. Sie ist ein wissenschaftliches Messobjekt.

Das Phänomen, das Klimaforscherinnen und -forscher besonders interessiert, ist der Permafrost. Permafrost bezeichnet dauerhaft gefrorenes Erdreich oder Gestein, das als strukturelle Masse Felsen zusammenhält. Wenn der Permafrost taut, verlieren diese Felsen ihre Kohäsion. Das Ergebnis sind Felsstürze, manchmal von erheblichem Ausmass.

Die Eiger Climate Excursions führen auf bis zu 12 Personen begrenzte Gruppen zu Fuss zu den vom Permafrost betroffenen Zonen am Fuss der Nordwand. Nicht in die technisch anspruchsvolle Wand, sondern zu den Moränen, Eisfeldern und instrumentierten Felspartien, die für geübte Wanderer zugänglich sind.

Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos nutzt diesen Sektor kontinuierlich zur Kalibrierung seiner nationalen geologischen Risikomodelle. Die Daten fliessen in die Lawinenbulletins und Gefahrenkarten ein, die jedes Berggebiet der Schweiz betreffen.

Das PermaSense-Netzwerk

Tief im Fels vergraben, messen Temperatursensoren die thermische Entwicklung des Untergrundes. Die Befunde der letzten zehn Jahre sind eindeutig: Eine Erwärmung des Untergrunds um 0,5 Grad pro Jahrzehnt in den untersuchten Zonen.

Das klingt nach wenig. Es ist es nicht.

Das PermaSense-Netzwerk, technisch betreut von der ETH Zürich, überträgt diese Messdaten in Echtzeit. Ab einem definierten Temperaturschwellenwert werden automatisierte Warnmeldungen ausgelöst, die Bergrettung und Gemeindebehörden informieren. Das System hat in den letzten Jahren bereits mehrfach frühzeitig vor grösseren Felsabbrüchen gewarnt.

Auf den Eiger Climate Excursions werden diese Sensoren gezeigt und erklärt. Abstrakte Technologie wird zum konkreten Gegenstand. Ein Sensor, der eine Grösse wie ein Kugelschreiber hat, trägt zur Sicherheit von Bergdörfern bei.

Thermische Daten in Echtzeit

Was die Messung bedeutet

Die Erwärmung des Felsuntergrundes um 0,5 Grad pro Jahrzehnt ist im wissenschaftlichen Kontext ein alarmierender Wert. Warum?

Erstens wegen der Nichtlinearität: Eisschmelze setzt ab einem bestimmten Schwellenwert schlagartig ein, nicht graduell. Ein langsam wärmer werdender Fels kann über Jahrzehnte stabil bleiben, dann innerhalb weniger Sommermonate destabilisiert werden.

Zweitens wegen der Zeitverzögerung: Das Eis, das heute schmilzt, reagiert auf Emissionen von vor zwanzig oder dreissig Jahren. Selbst bei einer drastischen Reduktion der globalen CO2-Emissionen ist ein weiterer Permafrostabbau für Jahrzehnte einprogrammiert.

Drittens wegen der Kumulation: Jeder Felsabbruch verändert die Geometrie der Wand und setzt neue Flächen der Sonneneinstrahlung aus. Ein sich selbst verstärkender Prozess.

Ausgehend von der Umgebung der Station Eigergletscher (2320 m), die per Bahn ab Grindelwald oder Kleine Scheidegg erreichbar ist, können Wanderer die instrumentierten Zonen beobachten. Die Guides erklären, welche Signale die Sensoren in der vergangenen Woche geliefert haben. Das ist kein Museum. Das ist Echtzeit-Wissenschaft.

Verbindung zum Klimaguide

Die Eiger Climate Excursions sind das natürliche Pendant zum Klimaguide Jungfrau. Wo der Klimaguide die Gletscherdynamik und die Gesamtperspektive des Klimawandels in der Region vermittelt, gehen die Eiger Climate Excursions in die geologische Tiefe. Zusammen ergeben sie eine der vollständigsten Klimabildungsangebote der Alpen.

Die spektakuläre Anpassung der Flora

Pionierorganismen auf Moränen

Wenn ein Gletscher sich zurückzieht, hinterlässt er eine Mondlandschaft. Kahles Gestein, geschliffene Felsen, keine Vegetation.

Und dann beginnt etwas Erstaunliches.

In weniger als 5 Jahren besiedeln erste Pionierorganismen diese frisch freigegebenen Flächen. Moose und Flechten zuerst. Dann winzige Blütenpflanzen, die extremen Bedingungen standhalten: Temperaturextreme bis zu 50 Grad auf der Steinoberfläche im Sommer, minus 20 Grad im Winter, kaum Nährstoffe, kaum Wasser.

Auf den Moränen oberhalb des kleinen Tals Alpiglen untersucht der Botanische Garten der Stadt Genf in einem Langzeitprojekt die Geschwindigkeit und Reihenfolge dieser Besiedelung. Die Forschungsflächen sind markiert und Teil der Eiger Climate Excursion.

Was dabei sichtbar wird:

Für Gruppen aus dem Bildungsbereich, ob Schulklassen, Hochschulseminare oder Unternehmensworkshops im Bereich Biodiversität, sind diese Forschungsflächen ein aussergewöhnlicher Lernort.

Die Auswirkungen auf alpine Infrastrukturen

Berghütten im Wandel

Die beschleunigte Gletscherschmelze und der Permafrostabbau verändern nicht nur die Landschaft. Sie verändern die Infrastruktur, auf die Bergsteiger und Wanderer seit Generationen angewiesen sind.

Der Eismeer-Gletscher, der traditionell den Zugang zu mehreren Berghütten im Eigergebiet ermöglichte, verzeichnet einen Rückgang von rund 30 Metern pro Jahr. Zugänge, die vor zwanzig Jahren sicher und standardisiert waren, existieren heute nicht mehr.

Die berühmte Mittellegihütte auf 3355 Metern, im Besitz des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), musste ihre gesicherten Zugangswege in den letzten zehn Jahren mehrfach technisch anpassen. Neue Fixseile, veränderte Einstiegspunkte, zusätzliche Sicherungsanker in verbliebenem Fels.

Die Bergführer, die die Eiger Climate Excursions leiten, teilen diese Veränderungen aus erster Hand. Sie sind keine Wissenschaftler. Sie sind Praktiker, die jeden Sommer sehen, was sich verändert. Diese Erdung in gelebter Erfahrung ist das, was Vorlesungen und Berichte nicht ersetzen können.

Forschung durch Wandern finanzieren

Ein tragfähiges Wirtschaftsmodell

Die Eiger Climate Excursions sind kein subventioniertes Bildungsprojekt. Sie sind ein funktionierendes Wirtschaftsmodell.

15 % des Ticketpreises jeder Excursion werden direkt an universitäre Forschungsfonds gespendet, schwerpunktmässig an das OCCR der Universität Bern und die Permafrost-Forschungsgruppe der ETH Zürich. Diese direkte Verbindung zwischen touristischer Nachfrage und wissenschaftlicher Finanzierung ist ein Modell, das der in Interlaken ansässige Dachverband des Berner Oberländer Tourismus aktiv fördert und als Referenz für andere Regionen propagiert.

Ticketpreise (Richtwerte):

Für wen die Excursions besonders geeignet sind

Die Eiger Climate Excursions sprechen mehrere Zielgruppen an, mit unterschiedlichen Motivationen:

Individualtouristen: Naturbegeisterte, die über das klassische Wandererlebnis hinausgehen wollen und Hintergrundwissen zur alpinen Klimadynamik suchen.

Bildungseinrichtungen: Schulklassen der Sek II, Universitätsseminare aus den Bereichen Geographie, Umweltwissenschaften und Politikwissenschaft. Die Vor-Ort-Erfahrung ersetzt keine Laborarbeit, aber sie schafft eine emotionale Grundlage, die Lerninhalte verankert.

Unternehmen: Teams aus den Bereichen ESG, Nachhaltigkeitsstrategie und Corporate Responsibility, die ein inhaltlich fundiertes Erlebnis suchen. Die Verbindung zur Klimaforschung macht die Excursion zu einem glaubwürdigen Baustein in einem Nachhaltigkeitsseminar. Weitere B2B-Optionen für die Region finden Sie in unserem Guide zu den Teambuilding-Anbietern in Grindelwald.

Wissenschaftsjournalisten und Medienschaffende: Die direkte Zugänglichkeit von Messstationen und Forschungsflächen macht die Excursions zu einem effizienten Rechercheinstrument.

Was bleibt

Eine Premium-Bildungsexpedition am Fuss der Eigernordwand. Drei bis sechs Stunden. Permanentfrost unter den Füssen, Wissenschaft in Echtzeit, Bergführer, die jeden Riss im Fels kennen.

Kein intellektueller Fussabdruck? Ausgeschlossen.

Der CO2-Fussabdruck hingegen ist minimiert: Anreise per Bahn, Aufstieg zu Fuss, Gastronomie mit regionalen Produkten, 15 % des Ticketpreises in die Forschung.

Das Hochgebirge durchqueren und dabei aktiv zur Wissenschaft beitragen. Das ist kein Widerspruch. Das ist das Modell.


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